Newsletter Mai
In diesem Newsletter stellen wir euch unsere neue Koordinatorin vor und informieren euch über aktuelle Beteiligungsmöglichkeiten bei aus-unserer-sicht, zwei bevorstehende Austauschformate, eine erfreuliche Nachricht aus der AG Forschung – sowie über eine Unterstützungsbitte, der wir gerne nachkommen.
Beteiligung bei aus-unserer-sicht: Neue Formate 2025
Die Arbeitsgruppenphase 2024 ist abgeschlossen. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die sich eingebracht haben – mit Zeit, Wissen, Kritik und Ideen. Eure Erfahrungen waren für uns ein wichtiger Kompass.
Im Jahr 2025 starten wir mit neuen Beteiligungsformaten. Statt langfristiger Arbeitsgruppen wird es verschiedene, thematisch fokussierte Formate geben, die eine flexiblere und niedrig-schwelligere Beteiligung ermöglichen.
Geplant sind unter anderem:
- Digitale Austauschformate, zum Teil als einmalige Veranstaltungen, zum Teil als thematische Reihen
- Dialogformate, in denen Erfahrungsexpert*innen und Fachakteur*innen gemeinsam an Themen arbeiten
- Mini-Projekte mit begrenztem Zeitrahmen und klar definiertem Ziel (z.B. Umfragen, die Erfahrungen und Perspektiven sichtbar machen oder die Entwicklung einer kleinen Social-Media-Kampagne)
Die Themen und Rahmenbedingungen für die Mini-Projekt-Ausschreibung 2025 veröffentlichen wir im nächsten Newsletter.
Aktuell laufen bereits zwei kleinere Pilotformate: ein Hörstück-Projekt zum tatkontext Familie sowie eine wissenschaftlich begleitete Umfrage zur Beteiligung von Betroffenen an partizipativer Forschung
Das Ziel ist es, mehr Menschen die Beteiligung zu erleichtern – auch punktuell oder mit wenig Zeit. Zwei der neuen Formate findet ihr im Anschluß.
Austauschformat: Arbeiten trotz schwerer Traumatisierung – Teilhabe am Arbeitsleben
In dieser einmaligen Veranstaltung möchten wir gemeinsam überlegen, wie ein Arbeitsleben – auch mit Einschränkungen – möglich sein kann und was Teilhabe für uns bedeutet.
Vielen Betroffenen ist es aufgrund schwerer Traumatisierungen nicht möglich, in dem Umfang oder auf die Weise zu arbeiten, wie es gesellschaftlich oft erwartet wird. Dadurch bleiben viel Fachwissen, Erfahrungen und Kompetenzen ungenutzt. Gleichzeitig äußern viele Betroffene den starken Wunsch, am Arbeitsleben und damit auch am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
In dieser Austauschgruppe möchten wir unsere Erfahrungen bündeln und gemeinsam neue Ideen entwickeln:
Wie kann Teilhabe am Arbeitsleben – selbst wenn es nur eine Stunde pro Tag ist – trotz schwerer Traumatisierung gelingen? Was bedeutet „Arbeiten“ für uns persönlich?
Termin: 16.06.2025, 17:00–20:30 Uhr (inkl. 30 Minuten Pause)
Ort: Online via Zoom
Teilnahme: max. 20 Personen
Austauschformat: Leitlinien für Selbsthilfegruppen – Entwicklung gemeinsamer Grundlagen
In diesem Austauschformat möchten wir gemeinsam überlegen, wie eine Selbsthilfegruppe gestaltet sein sollte, damit sie für Betroffene wirklich hilfreich ist – unabhängig davon, ob bereits Erfahrungen damit bestehen oder nicht.
Im Beteiligungsprozess 2023 wurde deutlich, wie sehr sich Betroffene funktionierende Selbsthilfegruppen – sowohl vor Ort als auch digital – wünschen. Dabei machen Menschen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit SHGs.
Wir möchten unsere Perspektiven und Erfahrungen bündeln und gemeinsam Leitlinien entwickeln, wie aus Sicht unseres Netzwerks eine unterstützende, inklusive und verlässliche Selbsthilfegruppe arbeiten sollte. Auch Menschen, die bisher keine SHG besucht haben, sind ausdrücklich eingeladen:
Was hat euch bisher abgehalten? Welche Hürden sollten wir abbauen?
Termin: Erstes Treffen am 30.06.2025, 17:00–20:30 Uhr (inkl. 30 Minuten Pause)
Ort: Online via Zoom
Folgetermine: Zwei weitere Treffen (werden gemeinsam vereinbart)
Teilnahme: max. 20 Personen
Anmeldungen ab 3. Juni möglich. Hier geht es zur Anmeldung.
Gesucht: Eure Design-Expertise für unser neues Logo!
Wir haben Euer Feedback zu unserem Logo gehört und wollen uns nochmal damit auseinandersetzen.
Wir laden daher Grafikdesigner*innen, Branddesigner*innen und Kommunikations- designer*innen mit eigener Betroffenheit ein sich zu einem einmaligen Austauschtreffen mit Personen aus dem Leitungsteam und der AG Webportal zusammenzusetzen und über ein neues Logo für aus-unserer-sicht nachzudenken. Wir würden gerne eure Fachexpertise und Eure Einschätzungen hören.
Achtung: Es geht tatsächlich nur um das Logo, nicht um ein komplettes CD
Das digitale Treffen wird am 24.06.2025 von 17.00 bis 19.00 Uhr stattfinden. Anmelden könnt ihr euch hier
Mitwirkung im neuen Zentrum für Prävalenzforschung
Vor kurzem haben wir im Netzwerk die Ausschreibung für das Betroffenengremium des neuen „Zentrums für Forschung zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ (ZEFSG) geteilt.
Wir freuen uns sehr und gratulieren herzlich allen Bewerberinnen aus der AG Forschung bei aus-unserer-sicht, die für eine Mitarbeit ausgewählt wurden.
Das ZEFSG wird von der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindes-missbrauchs (UBSKM) gefördert. Es erhebt in regelmäßigen, bundesweiten Befragungen, wie häufig Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Kontexten von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Die Ergebnisse fließen in die gesetzlich verankerte Berichterstattung der UBSKM gegenüber Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung ein.
Die erste Sitzung des Betroffenengremiums findet am 6. Juni 2025 statt. Wir sind gespannt auf die Arbeit des Zentrums und auf die Impulse, die durch die Beteiligung von Erfahrungsexpert-
*innen eingebracht werden.
Neue Ansprechpartnerin für Beteiligungsformate
Wir freuen uns, dass Natalie Barth ab sofort als Koordinatorin für Beteiligungsformate bei aus-unserer-sicht aktiv ist. Sie ist Ansprechpartnerin für Austauschformate und neue Beteiligungsmöglichkeiten.
Natalie Barth (Jg. 1992) ist feministische Aktivistin und Politikwissenschaftlerin (M.A.). Als Betroffene sexualisierter Gewalt engagiert sie sich seit ihrer Schulzeit für Aufklärung, Prävention und die Stärkung von Betroffenenperspektiven. Geprägt durch ihre Sozialisierung im ländlichen Thüringen liegt ihr Fokus auf demokratischer Teilhabe und einer wehrhaften Zivilgesellschaft. Beruflich war sie unter anderem als Campaignerin bei Campact tätig und entwickelte für Aktion gegen den Hunger den „Lauf gegen den Hunger“ im deutschsprachigen Raum. Sie arbeitet freiberuflich an der Schnittstelle von politischer Bildung, Kultur und Aktivismus – besonders in Brandenburg und Thüringen.
Auch künstlerisch setzt sie sich als Sängerin und Laiendarstellerin mit dem Thema sexualisierte Gewalt auseinander. Wir heißen Natalie herzlich willkommen und freuen uns auf die Zusammenarbeit.
Externe Hinweise*:
Berliner Betroffenenkreis informiert über sexualisierte Gewalt im Umfeld der Antifa-Jugendgruppe „Edelweißpiraten“
Uns hat eine Unterstützungsbitte erreicht, der wir gerne nachkommen:
Ein Kreis ehemals betroffener Personen und Zeug*innen macht derzeit sexualisierte Gewalt öffentlich, die sich in den späten 1980er und in den 1990er Jahren in einer Berliner Antifa-Jugendgruppe unter dem Namen „Edelweißpiraten“ ereignet hat. Der Täter war ein erwachsener Anführer, der sich innerhalb der Gruppe „Pipo“ nannte, aber -bis heute- auch unter anderen Namen auftritt.
Die Betroffenen berichten von sexualisierter Gewalt, psychischer Manipulation und Machtmissbrauch gegenüber männlichen Kindern und Jugendlichen im Alter von etwa 11 bis 15 Jahren. Die Taten begannen Mitte der 1980er Jahre und dauerten mindestens bis Ende der 1990er Jahre an.
Der Betroffenenkreis möchte diese Vorgänge sichtbar machen und insbesondere weitere Betroffene erreichen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben – auch jene, die sich bislang vielleicht nicht mitteilen konnten oder nicht wussten, an wen sie sich wenden können.
Wenn Sie selbst betroffen waren oder Hinweise haben, können Sie sich direkt und vertraulich an den Aufarbeitungskreis wenden – per E-Mail
E-Mail: epis@systemli.org
17.06.2025: Öffentliches Hearing Sexueller Missbrauch und Heimerziehung
6. Öffentliches Hearing der Aufarbeitungskommission
Heimkindheiten hinter Schweigemauern: Betroffene haben ein Recht auf Aufarbeitung
Die Veranstaltung wird in Gebärdensprache übersetzt.
Das Hearing findet in Berlin statt und wird per Livestream übertragen auf www.aufarbeitungskommission.de.
Sexualisierte Gewalt in Heimen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Nachkriegsgeschichte. Die Auswirkungen dieser Misshandlungen sind tiefgreifend und begleiten die Betroffenen oft ein Leben lang. Heute erwachsene Betroffene von sexueller Gewalt in der damaligen Heimerziehung kämpfen um Anerkennung des erlebten Unrechts. Welche Strukturen in den Heimen begünstigten sexualisierte Gewalt? Welche Verantwortung haben die Träger, die Leitung und das Personal in den Heimeinrichtungen? Welche Verantwortung tragen staatliche Institutionen, wie die Heimaufsicht, sowie Politik und Gesellschaft? Welche Unterstützung brauchen Betroffene für die Bewältigung der Gewaltfolgen? Diese Fragen stellen wir auch an Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe heute.
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